Aktuelles Pressemitteilung

Piratenpartei Niedersachsen kritisiert angedachte Honorarkürzung um 4,5 % für Psychotherapeut:innen – Minister Philippi muss handeln

Handschriftliches Plakat mit dem Text „Psychotherapeut In Ausbildung (PIA)“ – das Wort Ausbildung ist ausgekreuzt und durch das Wort „Ausbeutung“ ersetzt.

Am 20.03.26 demonstrierten 650 Psychotherapeut:innen in Hannover für die Rücknahme der angekündigten Gehaltskürzung zum 1. April. Die Piratenpartei Niedersachsen unterstützt dieses Ansinnen und ruft Landesgesundheitsminister Philippi zum Handeln auf. 

Blick in die Menschenmenge; die Menschen drehen dem Betrachtenden den Rücken zu. Eine der Personen im Vordergrund trägt eine orange Jacke mit dem Logo der Piratenpartei.

Die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ab 1. April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken ist hochgradig kontraproduktiv. Auch die gleichzeitige Anhebung der Strukturzuschläge um 14,25 Prozent (rückwirkend ab Januar) kompensiert den Effekt nur minimal: Nach Berechnungen der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ergibt sich ein realer Nettoverlust von 2,8 bis 3,5 Prozent für die meisten Praxen [1]“, erklärt Thomas Ganskow, Vorsitzender der Piratenpartei Niedersachsen. „Für Patient:innen bedeutet die Kürzung eine weitere Verschärfung der ohnehin dramatischen Lage: Bereits heute warten Betroffene durchschnittlich 142 Tage – teils deutlich länger – vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn [2]. Das ist schon heute viel zu lange. Durchschnitt bedeutet, dass die Diagnosezeit noch läger dauern kann. Im Bereich der  Autismus-Spektrumsstörung durchaus bis zu einem Jahr oder noch mehr für Kinder [3]. Wesentlich längere Wartezeiten zur Diagnostik und Therapie gib es im Bereich der Versorgung Erwachsener [4]. Die Situation wird sich mit den geplanten Kürzungen noch verschärfen. 

Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi muss das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auffordern, den EBM-Beschluss [5] beanstanden. Das BMG hat die Rechtsaufsicht und kann den Beschluss stoppen [6].“

Mehrere Personen auf einer erhöhten Position. Zwei von ihnen halten Mikrofone in ihren Händen.

„Viele Praxen werden in zunehmend wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten oder sogar schließen, die Kassenzulassung aufgeben oder verstärkt auf Privatpatient:innen setzen. Das Resultat: Noch längere Wartezeiten, zunehmende Chronifizierungen von Depressionen, Angststörungen und anderen Erkrankungen sowie steigende Risiken für Suizidalität und stationäre Einweisungen werden entstehen“ ergänzt Uwe Kopec, Schatzmeister der Piratenpartei Niedersachsen und examinierter Krankenpfleger und Pflegefachkraft in der Altenpflege. „Für niedergelassene Ärzt:innen entsteht eine massive Mehrbelastung. Psychotherapeut:innen entlasten täglich Hausärzt:innen, Neurolog:innen, Internist:innen und andere Fachrichtungen bei psychosomatischen und psychisch mitbedingten Beschwerden. Sinkende ambulante Psychotherapie-Kapazitäten führen zwangsläufig zu mehr Hausarztbesuchen, Krankschreibungen und teuren stationären Behandlungen – eine klassische Kostenverschiebung ins System, vor allem aber zu Lasten betroffener Menschen. Therapien werden nicht rechtzeitig begonnen und Hilfe nicht nicht ausreichend gegeben.

Ein Banner wird von zwei Personen an Stangen gehalten. Auf dem Banner der Text „Seelische Gesundheit ist kein Sparprojekt“.

Für die Gesellschaft entstehen langfristig deutlich höhere Aufwendungen. Psychische Erkrankungen sind seit Jahren Hauptursache für Arbeitsunfähigkeitstage, Frühverrentungen und Produktivitätsverluste. Eine Verschlechterung der Versorgung verstärkt diesen Trend massiv. Statt kurzfristiger „Einsparungen“ drohen Mehrkosten im zweistelligen Milliardenbereich durch Sozialleistungen, Krankengeld und Folgeerkrankungen. Statt Kürzungen braucht es dringend Investitionen in mehr Sitze, faire Vergütung und kürzere Wartezeiten – zum Wohl der Patient:innen und zur Stabilisierung des Gesundheitssystems!“

Quellen:

[1] https://www.aerzteblatt.de/news/honorarkurzung-fur-psychotherapeuten-beschlossen-6abedcce-557a-4223-9b83-e1ca9b30786d
[2] https://www.bptk.de/pressemitteilungen/psychisch-kranke-warten-142-tage-auf-eine-psychotherapeutische-behandlung/
[3] https://www.aerzteblatt.de/news/autismus-kritik-an-langen-wartezeiten-auf-einen-therapieplatz-fd63f8f2-9d3a-434d-bf9e-74263d9831c4
[4] https://psychiatrie-psychotherapie.uk-koeln.de/klinik/ambulante-behandlung/spezialambulanz-autismus/ [5] https://www.kbv.de/documents/infothek/rechtsquellen/bewertungsausschuss/ebm/2026/ba-822-psychotherapie-ankuendigung.pdf
[6] https://www.g-ba.de/ueber-den-gba/arbeitsweise/beschlussfassung/

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