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Fahrscheinfrei und kostenlos sind zwei verschiedene Paar Schuhe

U-Bahnen in einer Abstellanlage

Wie der Deutsche Städte- und Gemeindetag heute mitteilte, sieht man für die nähere Zukunft keine Möglichkeit, einen kostenlosen ÖPNV in Analogie zum seit Anfang März in Luxemburg durchgeführten Modell einzuführen. (1)

Es ist ja auch ein Trugschluss, dass ein allgemeiner, fahrscheinfreier ÖPNV, wie wir Piraten ihn wollen, kostenlos sein kann. Natürlich brauchen die Verkehrsunternehmen Einnahmen zum Betrieb und dringend notwendigem Ausbau der Linien und Kapazitäten gerade außerhalb der großstädtischen Bereiche. Und die fallen nun mal nicht vom Himmel, sondern können auf verschiedene Arten außerhalb vom Fahrscheinverkauf erzielt werden. Schließlich hat nicht jede Kommune die finanziellen Mittel von Luxemburg oder Monheim,“ stellt Thomas Ganskow, Vorsitzender der Piraten Niedersachsen klar. „Sei es ein Citymaut für PKW, eine den Umweltkosten angemessene Parkraumbewirtschaftung oder ein Umlage, die von allen Einwohnern zu zahlen ist, wie bei den Müllgebühren. (2) Es ist an der Zeit, die Blockadehaltung der Kommunen und ihrer Verkehrsunternehmen gegen ein neues Denken zu beenden. Denn fahrscheinfrei und kostenlos sind nun mal zwei verschiedene Paar Schuhe.

Für den Großraum-Verkehr Hannover mit seinem Einzugsgebiet von weit über 1,1 Mio. Einwohnern und damit einem guten Achtel ganz Niedersachsens, lässt sich berechnen, das sich mit einer Umlage von rund € 1,- pro Tag alle Kosten des jährlichen Betriebs zahlen lassen. (3)

Dass rund die Hälfte der Gelder ohnehin schon aus dem öffentlichen Haushalt und damit aus den Steuergeldern der Menschen finanziert wird, sollte allein schon Grund genug dafür sein, derartige Modelle anzudenken. Denn wenn bundesweit € 13 Mrd. durch Fahrkartenverkäufe eingedeckt werden, bedeutet dies eine Umlage von rund € 15,- pro Mensch und Monat, um zumindest diese Kosten zu decken,“ stellt Adam Wolf, Politischer Geschäftsführer der Piraten Niedersachsen und Mitglied der Regionversammlung Hannover, klar. „Dass es in Sachen Fahrgastzuwachs etwas bringt, zeigen die Modellversuche. Als man hier im Dezember letzten Jahres einen – da dann tatsächlich ohne zusätzliche Kosten für die Nutzer – ÖPNV-Tag veranstaltet hat, gab es einen Fahrgastzuwachs um 60%. (4) Das sind Potentiale, die man im Sinne einer wirklichen Verkehrswende nicht vernachlässigen darf.

Quellen:
(1) https://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/Aktuelles/2020/Kostenloser%20%C3%96PNV%20keine%20kurzfristige%20Perspektive/
(2) http://www.fahrscheinfrei.de/wp-content/uploads/2017/03/bus-und-bahn-fahrscheinfrei_web.pdf
(3) https://www.gvh.de/fileadmin/journals/journal-september-2019/epaper/ausgabe.pdf Seite 7
(4) https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Kostenloser-Nahverkehr-60-Prozent-mehr-Fahrgaeste,nahverkehr274.html

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