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Bedingungen in Schlachthöfen kritikwürdig

Tablett mit gebratenen Geflügelkeulen

Wie verschiedene Medien am 23.06. mitteilten, hat das Coronavirus nun auch in die niedersächsische Schlachtindustrie Einzug gehalten [1]. Für die PIRATEN Niedersachsen der Anlass, generell die Bedingungen in Schlachthöfen zu kritisieren.

„Der Geflügelschlachtbetrieb in Wildeshausen ist zwar der erste in Niedersachsen, der mit Corona-infizierten Mitarbeitern konfrontiert ist. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass er der letzte der 333 in Niedersachsen aktiven Schlachthöfe [2] ist. Auch wenn die Wiesenhof-Bedingungen schon 2011 Anlass zur Kritik boten [3], so sind sie dort kaum anders, als in der Mehrzahl der industriell arbeitenden Betriebe in der Branche [4]. Hier muss eine wesentlich stärkere Gesetzgebung im Sinne von Mensch und Tier zur Anwendung kommen. Allein Appelle werden nichts ausrichten, dazu bestimmt zu sehr der Markt die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird,“ kritisiert Thomas Ganskow, Vorsitzender der PIRATEN Niedersachsen.

„Der Markt sind aber letztendlich die Endkunden, die mit ihrem Kaufverhalten entscheiden, ob sie unter tragbaren Bedingungen erstellte Lebensmittel kaufen oder auf Waren zurückgreifen müssen, die nur zu Discountpreisen erzeugt wurden. Und da diese Entscheidung auch vom Geldbeutel abhängig ist, wird sich so lange nichts auf der Nachfrageseite ändern, solange immer noch 15% der Niedersachsen von der Hand in den Mund leben müssen [5]“, erklärt Bruno Adam Wolf, politischer Geschäftsführer der PIRATEN Niedersachsen. „Hier wäre ein BGE eine Lösung, das die Grundbedürfnisse deckt und durch Zuverdienst ermöglicht, dass auch höherwertige Waren gekauft werden können. Denn auch ein Umstieg auf rein pflanzliche Kost würde Probleme der Massenmenschhaltung nicht automatisch beenden. Ausländische Erntehelfer leben hier vielfach unter ähnlichen Bedingungen, wie es die Schlachthelfer tun. Was sich dann auch in den dortigen hygienischen Bedingungen widerspiegelt, die ebenfalls schon zu Corona-Massenausbrüchen geführt haben [6].“

Uwe Bock, Stadtrat der PIRATEN in Wildeshausen, ergänzt: „Wenn Kontrollen, die ohnehin viel zu selten stattfinden [7], sich nicht nur auf die tierschutzrechtlichen Aspekte beziehen, sondern auch die Situation der dort arbeitenden Beschäftigten betrachten, wäre die Corona-Gefahr sicher wesentlich geringer. Denn obwohl es auch in Oldenburg eine Zweigstelle der Beratung für mobile Arbeitnehmer aus dem Ausland gibt [8], haben sich Bedingungen, die zu einer Verbreitung des Virus führten, nicht verhindern lassen. Fast könnte man glauben, es handelt sich nur um ein Feigenblatt, was hier hochgehalten wird. Wirkung erzielt es jedenfalls nicht wirklich.“

[1] https://www.merkur.de/welt/corona-wiesenhof-haehnchen-standorte-oldenburg-ausbruch-skandal-schlachthof-toennies-wildeshausen-faelle-zr-13808562.html
[2] https://www.weser-kurier.de/region/niedersachsen_artikel,-niedersachsens-333-schlachthoefe-im-fokus-ueberwachung-aber-wie-_arid,1783552.html
[3] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/ard-exclusiv-das-system-wiesenhof-102.html
[4] https://www.sueddeutsche.de/politik/arbeitsbedingungen-in-schlachthoefen-wir-werden-aufraeumen-muessen-1.4907187
[5] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Weniger-Niedersachsen-sind-von-Armut-bedroht,armut302.html
[6] https://www.n-tv.de/panorama/Fast-100-Infektionen-auf-Spargelhof-article21843026.html
[7] http://www.animal-health-online.de/gross/2018/10/11/landvolk-prasident-zu-schlachthof-skandal-solche-bilder-darf-es-nicht-geben/33231/
[8] https://www.mobile-beschaeftigte-niedersachsen.de/