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BDI verhöhnt private Stromkunden

Der Energiewende-Navigator des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) soll durch seine grafische Darstellung mit Ampelfarben verschiedene Aspekte und Auswirkungen der Energiewende verdeutlichen.  Die Piratenpartei Niedersachsen kritisiert die fehlerhafte und irreführende Darstellung, die ein falsches Bild der wirtschaftlichen Auswirkungen der Energiewende präsentiert.

Die fünf Dimensionen Klima- und Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, Akzeptanz und Innovation werden anhand von 42 Indikatoren bewertet und das Ergebnis in Ampelfarben dargestellt, wobei die wirtschaftlichen Auswirkungen der Energiewende scheinbar schlecht wegkommen. „Beunruhigend tiefrot sind die Daten zur Wirtschaftlichkeit“, nach Aussage des BDI-Präsidenten Keitel [1].

»Der BDI muss endlich zugeben, dass der Strompreis in Deutschland für Industrieunternehmen durch die Einspeisung von erneuerbarem Strom sinkt und nicht 40 Millionen privater Stromkunden mit „tiefroten Daten zur Wirtschaftlichkeit“ verhöhnen«, so Dr. Michael Berndt, Direktkandidat der Piratenpartei Niedersachsen im Wahlkreis Emden/Norden. »Immerhin stellt ja der BDI im Energiewende-Navigator selbst fest, dass die Wirtschaftlichkeit von 2010 auf 2011  deutlich gestiegen ist!«[2]

Völlig unverständlich ist die Bewertung einzelner Indikatoren im Bereich Wirtschaftlichkeit. So wird der Indikator „Stromverbrauch im Vergleich zu 2008“ rot dargestellt, obwohl der Bruttoinlandsstromverbrauch 2011 um etwa 6 Mrd. kWh niedriger war als 2008 [3]. Auch der Indikator „Strompreise Industrie im EU-Vergleich“ ist rot, obwohl der
Industriestrompreis in Deutschland 2011 im europäischen Vergleich im Mittelfeld lag [4] und der Strompreis für stromintensive Unternehmen 2011 so niedrig war wie seit vier Jahren nicht mehr [5]. Der Indikator „Endenergieverbrauch im Verkehrsbereich“ ist ebenfalls rot, obwohl der Primärenergieverbrauch des Verkehrssektors zurückgeht und seit 1999 kontinuierlich sinkt [6, 2].

Lediglich der Indikator „Strompreise Haushalte im EU-Vergleich“ ist zurecht rot, da die privaten Haushalte im Vergleich zu Industrieunternehmen sämtliche Steuern, Entgelte und Umlagen ohne jegliche Befreiung oder Rabatte zahlen müssen!

»Eine solche Verdrehung von Daten und Fakten, offenbar mit dem Ziel, den Verbraucher zu täuschen, werden wir keinesfalls akzeptieren und fordern eine offene und transparente Darstellung und Neubewertung der Faktoren
der Energiewende, gerade im Bereich der Wirtschaftlichkeit«, so Ylva Meier, Kandidatin der Piratenpartei Niedersachsen  für die Landtagswahl 2013.

Quellen:

[1] Pressemitteilung Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.:
http://www.bdi.eu/Pressemitteilungen_BDI…or-vor.htm
[2] Energiewende-Navigator 2012, Seite 8 und 9
http://www.energiewende-richtig.de/#over…ergiewende
[3] Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie; BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.,
Statistik der Kohlenwirtschaft e.V.; AG Energiebilanzen – Stand 15.02.2012
[4] Statistisches Amt der Europäischen Union EuroStat;
http://www.e-control.at/de/industrie/str…vergleiche
[5] Strompreis in Deutschland im Vergleich 2000-2012,
http://www.unendlich-viel-energie.de/de/…-2012.html
[6] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie,
http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/energiedaten.html