Gastbeitrag von Thomas Blechschmidt, Koordinator der AG Energiepolitik
Die Angst geht um im Abendland. Politische Akteure scheuen sich nicht, Ängste und Befürchtungen von Menschen gezielt zu adressieren. Ich verabscheue diese Methoden. Deswegen gehe ich in diesem Beitrag weder auf die Gefahr ein, die von Putins Macht ausgeht, noch auf die Gefahren, die durch Fracking für unseren Lebensraum bestehen.
Als Energiepolitiker und Pirat verbinde ich zwei Sichtweisen miteinander.
Die physikalisch-wirtschaftliche und die politische. Der politischen Sicht liegt der Wert Freiheit zu Grunde. Als Pirat will ich grundsätzlich Freiheit, Fähigkeiten zu entwickeln, zu Forschen, Ressourcen zu Nutzen und mich selbst zu entfalten. Von daher kann ich niemals ein Verbot für Fracking oder eine andere Technologie aussprechen.
Regionen die grundsätzlich die geologischen Voraussetzungen zur Bildung von Schiefergas aufweisen sind rot dargestellt. Karte: Daten: BGR; Bild: Frank Walle, Piratenpartei
Doch schränkt genau das meine Freiheit an anderer Stelle ein. Ich will Freiheit von Manipulation, von rechtlicher oder wirtschaftlicher Übervorteilung, von der Verweigerung der Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen (=Demokratie) durch Geheimhaltung von Wissen etc.
Das bedeutet in der Konsequenz: Der Pirat will umfassende Transparenz, um Entscheidungen auf Basis von Belegen, Beweisen und Fakten treffen zu können. Wo dies nicht möglich ist, bleiben nur nachprüfbare Indizien.
Der erste Aspekt ist die Prüfung der technischen Machbarkeit, dann der wirtschaftlichen Aspekt und die nachhaltige Ergiebigkeit der Ressource.
Wir wissen, dass Fracking technisch machbar ist. Grundsätzlich gibt es dabei zwei technische Verfahren: Das hydraulic fracturing, bei dem Gesteinsschichten durch gezielte, massive Druckerhöhung mittels Flüssigkeiten aufgesplittert werden, um darin enthaltenes Gas freizusetzen. Als techniknaher Energiepirat weiß ich auch von den sehr erfolgreichen Versuchen in Südfrankreich, dieses Aufbrechen durch gezielte elektrische Entladung zu bewerkstelligen. (elekrohydraulisches Fracking) [6]. Diese Methode kommt ohne Chemikalien aus, womit natürlich ein Reihe umweltpolitischer Argumente ausgeräumt wären.
Als politisch auf Nutzen und Sinnhaftigkeit bedachter Energiepirat will ich nun noch wissen: Lohnt es sich?
Der generelle Ansatz von Wirtschaftlichkeitsberechnungen geht von 10 Jahren Amortisationszeit aus. Dieser Ansatz entspricht dem der Finanzwirtschaft: Der Orientierung an maximalem Profit.
Der alternative, modernere Ansatz geht von den Lebenszykluskosten einer Investition aus. Also der Frage, ob die Investition sich innerhalb ihrer zu erwartenden Lebensdauer komplett refinanziert und ob sie ggf. sogar noch eine Rendite erwirtschaftet. Dieser Ansatz wäre der marktwirtschaftliche und gesellschaftlich sinnvollste.
Für das Fracking bedeutet das: Entweder erwarten Investoren, dass sich ein Frack in zehn Jahren amortisiert, sprich mit dem erzielbaren Marktpreis der Ressource Kosten und Gewinne wieder hereinspielt, oder dass er so viel Gas öder Öl ausspuckt, dass er sich bis zum Versiegen des Bohrlochs komplett refinanziert und dabei noch eine wunschgemäße Rendite abwirft.
Betrachtet man nun die Erfahrungen, so stellt man fest: Es erfolgt weder eine Amortisation innerhalb 10 Jahren, noch eine über die Nutzungsdauer des jeweiligen Fracks. Es gibt einige wenige Bohrungen, die ausreichend Ertrag abwerfen. Die meisten jedoch verlieren ihre Ergiebigkeit bereits im zweiten oder dritten Jahr. [2] Dann muss nachgefrackt werden, um das Produktionsniveau auf 60 % der ursprünglichen Menge zu halten. Entsprechend wird die Mehrzahl der Bohrlöcher nach kurzer Zeit stillgelegt und es werden einfach neue Löcher gebohrt.[1]
Nur bis zu 15 % des in einer Formation vorhandenen Gases sind nutzbar. Gerechnet wird aber mit 100 %. [2]
Selbst Wall-Street-Analysten äußern sich klar, dass Shale-Gas-Fracking unrentabel ist. [3]
Die Dynamik solcher Goldgasräusche im US-Wirtschaftssystem ist immens. Der Witz an der Sache in Kurzform: Unkontrolliertes Aufblähen der Frackinggasgewinnung durch einfach anzusammelndes Geld an den Börsen führt zu Überproduktion und Überangebot und damit letztlich zu Preisverfall.[4]; [5]
Rex Tillerson, CEO bei Exxon: “We are all losing our shirts today. We’re making no money. It’s all in the red.”
Da wir in Kontinentaleuropa leben und es hier unüblich ist, Projektgelder über das Einsammeln kleiner Shareholderanteile zu beschaffen, wird die interessierte Finanzindustrie wie üblich vorgehen und versuchen, Steuergelder von der Regierung zu bekommen. Derlei Deals werden hinter den verschlossenen Türen der Macht verhandelt. Wie damals bei den Atom- und Kohlekraftwerken werden die im Vorfeld liegenden Kosten vom Staat finanziert und für die Investoren Ertragsgarantien gewährt. Es geht um rentierliche Geschäftsmodelle ohne Risiken. Über Umweltfragen müssen wir dabei gar nicht erst reden.
Was also erwartet uns auf der volkswirtschaftlichen Seite, wenn wir Fracking betreiben:
Wir werden mit einer Technologie konfrontiert, die unwirtschaftlich ist.
Die Rentabilität für die Prospektoren wird nur durch massive staatliche Subventionen erreicht
Wir werden über Steuern und Gebühren oder Abgaben mit Refinanzierungskosten belastet, die diese Wirtschaftsform erst ermöglichen
Das geschäftliche Risiko wird unfreiwillig von den Steuerzahlern übernommen
Der wahre Gaspreis wird uns niemals direkt treffen, denn sonst würden wir selbst nach Alternativen suchen.
Wir werden an Stelle der Abhängigkeit von relativ preisgünstigen natürlichen Ressourcen aus dem Ausland in Abhängigkeit von einer weiteren massiv von Subventionen lebenden Konzernlobby getrieben.
Fracking. Welche Partei ist wie glaubhaft dagegen. Quelle: Bürgerinitiative Frackingfreies Hessen.
Fazit: Diese Methode lohnt sich nicht. Den Aufwand des Nachfrackens berücksichtigt, erreicht die Ergiebigkeit der Quellen mit Glück gerade ein Viertel des erwarteten. Der Preis für das Gas müsste deshalb mindestens bei ca. 8 US-Cent ab Bohrloch liegen. In Europa wäre das nicht anders, höchstens noch teurer. Damit ist die Diskussion eigentlich schon erledigt. Die Angst vor Umweltfolgen brauchen wir für eine vernünftige politische Entscheidung nicht bemühen.
Im Gegenteil: Wir sollten uns schleunigst mobilisieren und der Regierung die Bedingungen klar machen. Schluss mit den Grundeinkommen für Konzerne!
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Gastbeitrag von Thomas Blechschmidt, Koordinator der AG Energiepolitik
Die Angst geht um im Abendland. Politische Akteure scheuen sich nicht, Ängste und Befürchtungen von Menschen gezielt zu adressieren. Ich verabscheue diese Methoden. Deswegen gehe ich in diesem Beitrag weder auf die Gefahr ein, die von Putins Macht ausgeht, noch auf die Gefahren, die durch Fracking für unseren Lebensraum bestehen.
Als Energiepolitiker und Pirat verbinde ich zwei Sichtweisen miteinander.
Die physikalisch-wirtschaftliche und die politische. Der politischen Sicht liegt der Wert Freiheit zu Grunde. Als Pirat will ich grundsätzlich Freiheit, Fähigkeiten zu entwickeln, zu Forschen, Ressourcen zu Nutzen und mich selbst zu entfalten. Von daher kann ich niemals ein Verbot für Fracking oder eine andere Technologie aussprechen.
Karte: Daten: BGR; Bild: Frank Walle, Piratenpartei
Doch schränkt genau das meine Freiheit an anderer Stelle ein. Ich will Freiheit von Manipulation, von rechtlicher oder wirtschaftlicher Übervorteilung, von der Verweigerung der Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen (=Demokratie) durch Geheimhaltung von Wissen etc.
Das bedeutet in der Konsequenz: Der Pirat will umfassende Transparenz, um Entscheidungen auf Basis von Belegen, Beweisen und Fakten treffen zu können. Wo dies nicht möglich ist, bleiben nur nachprüfbare Indizien.
Der erste Aspekt ist die Prüfung der technischen Machbarkeit, dann der wirtschaftlichen Aspekt und die nachhaltige Ergiebigkeit der Ressource.
Wir wissen, dass Fracking technisch machbar ist. Grundsätzlich gibt es dabei zwei technische Verfahren: Das hydraulic fracturing, bei dem Gesteinsschichten durch gezielte, massive Druckerhöhung mittels Flüssigkeiten aufgesplittert werden, um darin enthaltenes Gas freizusetzen. Als techniknaher Energiepirat weiß ich auch von den sehr erfolgreichen Versuchen in Südfrankreich, dieses Aufbrechen durch gezielte elektrische Entladung zu bewerkstelligen. (elekrohydraulisches Fracking) [6]. Diese Methode kommt ohne Chemikalien aus, womit natürlich ein Reihe umweltpolitischer Argumente ausgeräumt wären.
Als politisch auf Nutzen und Sinnhaftigkeit bedachter Energiepirat will ich nun noch wissen: Lohnt es sich?
Der generelle Ansatz von Wirtschaftlichkeitsberechnungen geht von 10 Jahren Amortisationszeit aus. Dieser Ansatz entspricht dem der Finanzwirtschaft: Der Orientierung an maximalem Profit.
Der alternative, modernere Ansatz geht von den Lebenszykluskosten einer Investition aus. Also der Frage, ob die Investition sich innerhalb ihrer zu erwartenden Lebensdauer komplett refinanziert und ob sie ggf. sogar noch eine Rendite erwirtschaftet. Dieser Ansatz wäre der marktwirtschaftliche und gesellschaftlich sinnvollste.
Für das Fracking bedeutet das: Entweder erwarten Investoren, dass sich ein Frack in zehn Jahren amortisiert, sprich mit dem erzielbaren Marktpreis der Ressource Kosten und Gewinne wieder hereinspielt, oder dass er so viel Gas öder Öl ausspuckt, dass er sich bis zum Versiegen des Bohrlochs komplett refinanziert und dabei noch eine wunschgemäße Rendite abwirft.
Betrachtet man nun die Erfahrungen, so stellt man fest: Es erfolgt weder eine Amortisation innerhalb 10 Jahren, noch eine über die Nutzungsdauer des jeweiligen Fracks. Es gibt einige wenige Bohrungen, die ausreichend Ertrag abwerfen. Die meisten jedoch verlieren ihre Ergiebigkeit bereits im zweiten oder dritten Jahr. [2] Dann muss nachgefrackt werden, um das Produktionsniveau auf 60 % der ursprünglichen Menge zu halten. Entsprechend wird die Mehrzahl der Bohrlöcher nach kurzer Zeit stillgelegt und es werden einfach neue Löcher gebohrt.[1]
Nur bis zu 15 % des in einer Formation vorhandenen Gases sind nutzbar. Gerechnet wird aber mit 100 %. [2]
Selbst Wall-Street-Analysten äußern sich klar, dass Shale-Gas-Fracking unrentabel ist. [3]
Die Dynamik solcher Goldgasräusche im US-Wirtschaftssystem ist immens. Der Witz an der Sache in Kurzform: Unkontrolliertes Aufblähen der Frackinggasgewinnung durch einfach anzusammelndes Geld an den Börsen führt zu Überproduktion und Überangebot und damit letztlich zu Preisverfall.[4]; [5]
Rex Tillerson, CEO bei Exxon: “We are all losing our shirts today. We’re making no money. It’s all in the red.”
Da wir in Kontinentaleuropa leben und es hier unüblich ist, Projektgelder über das Einsammeln kleiner Shareholderanteile zu beschaffen, wird die interessierte Finanzindustrie wie üblich vorgehen und versuchen, Steuergelder von der Regierung zu bekommen. Derlei Deals werden hinter den verschlossenen Türen der Macht verhandelt. Wie damals bei den Atom- und Kohlekraftwerken werden die im Vorfeld liegenden Kosten vom Staat finanziert und für die Investoren Ertragsgarantien gewährt. Es geht um rentierliche Geschäftsmodelle ohne Risiken. Über Umweltfragen müssen wir dabei gar nicht erst reden.
Was also erwartet uns auf der volkswirtschaftlichen Seite, wenn wir Fracking betreiben:
Fazit: Diese Methode lohnt sich nicht. Den Aufwand des Nachfrackens berücksichtigt, erreicht die Ergiebigkeit der Quellen mit Glück gerade ein Viertel des erwarteten. Der Preis für das Gas müsste deshalb mindestens bei ca. 8 US-Cent ab Bohrloch liegen. In Europa wäre das nicht anders, höchstens noch teurer. Damit ist die Diskussion eigentlich schon erledigt. Die Angst vor Umweltfolgen brauchen wir für eine vernünftige politische Entscheidung nicht bemühen.
Im Gegenteil: Wir sollten uns schleunigst mobilisieren und der Regierung die Bedingungen klar machen. Schluss mit den Grundeinkommen für Konzerne!
Quellen:
[1]http://www.huffingtonpost.com/brendan-demelle/fracking-output_b_1900810.html
[2]http://www.slate.com/articles/health_and_science/future_tense/2011/12/is_there_really_100_years_worth_of_natural_gas_beneath_the_united_states_.html
[3]http://www.nytimes.com/2011/06/26/us/26gas.html?pagewanted=1&_r=1
[4]http://www.nytimes.com/2012/10/21/business/energy-environment/in-a-natural-gas-glut-big-winners-and-losers.html?pagewanted=all&_r=0
[5]http://www.wiwo.de/technologie/forschung/rohstoffe-neue-studien-sehen-fracking-boom-vor-dem-aus-seite-all/9344438-all.html
[6] http://fr.wikipedia.org/wiki/Fracturation_électrohydraulique