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Das Leid der Tiere wird unnötig verlängert

425px-PiratenLTW2012-UmweltUmweltminister Meyer (Grüne) lobte heute das „tolle Engagement der Landwirte für mehr Tierwohl“ (1) Übersehen dabei hat er zwei Dinge. Erstens gebührt dieses Lob bestenfalls rund 0,1% aller Höfe (32.736 Höfe mit Viehbestand, Stand 01.03.2010) und zweitens wäre es schon lange ein Leichtes gewesen, das Leid der Hennen, deren Schnäbel schmerzvoll als Küken gekürzt werden oder der Ferkel, deren Schwanz kupiert wird, zu beenden.

Ist die Tatsache, dass es eine gewisse Art von Perversion ist, überhaupt zuzulassen, um des Profitstrebens Tieren Schwänze und Schnäbel zu kürzen, mit dem ökologischen Gedanken vereinbar? Oder dass es eine positive Meldung sein soll, wenn von über 8,8 Mio. Schweinen tatsächlich nicht mal 1,5% ihren so typischen Schwanz ringeln dürfen? (2)
Von der Möglichkeit, dass es sogar noch mal 30% weniger sein können, ganz zu schweigen. (3)
Da ist es doch schon wirklich effektiver, dass von 2,7 Mio Legehennen in konventioneller Haltung (4)
wenigstens gute 22 % ihre natürlichen Schnäbel behalten können. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn alle Viehhalter die entsprechenden Prämien in Anspruch genommen hätten. Aber das hat man offensichtlich gar nicht erwartet.

 

Warum ist das aber so? Weil wir noch immer in einer Gesellschaft leben, in der Geiz vielleicht nicht mehr geil ist, sondern in vielen Fällen schlichtweg notwendig? Hier schafft nur eine angemessene Bezahlung weit oberhalb des aktuellen Mindestlohns Abhilfe. Insbesondere in den chronisch unterbezahlten sozialen Berufen in der Schwangeren- und Kindererbetreuung und in der Pflege. Sofern man denn überhaupt eine solche Arbeit oder eine andere hat. Und für alle anderen ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Denn nur dann besteht die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr mit jedem Cent kalkulieren zu müssen, ob man es sich leisten kann, konventionelle Eier oder die wenigstens annähernd ökologisch wertvoll erzeugten kaufen zu können. (5)

 

Und dass Handel und die verarbeitende Industrie einen Konzentrationsgrad erreicht haben, bei dem sie den Preis beliebig drücken können, macht die Sache nicht besser. Da ist das Plädoyer einzelner Discounter, doch bitte für artgerechte Tierhaltung zu sorgen und gleichzeitig zu Billigstpreisen anzubieten, als reines Lippenbekenntnis zu sehen. (6)

 

Für Niedersachsen zeichnet sich zwar ein Ende des Schnäbelkürzens bei Hühnern ab (7), leider aber nicht, bevor es bundesweit untersagt ist. (8)

 

Da stellt sich die Frage, warum nicht im gleichen Zug auch das Ende des Kürzens von Putenschnäbeln erfolgt, sondern man sich hinter einer Bundesratsinitiative versteckt, (9) um für eine bundeseinheitliche Lösung zu sorgen, solange aber die Tiere weiter leiden lässt. 

 

Und warum geht man nicht mit dem gleichen Elan das Problem des Kupierens der Schweineschwänze an? Der Weg wäre der selbe. Alles zum Tierwohlnutzen, ob Hühner, Puten oder Schweine, ist in der entsprechenden Bundesverordnung geregelt. (10) Technisch überhaupt kein Problem. Schließlich wäre ein Landesgesetz mehr, als eine Bundesverordnung. 

 

Natürlich, nur ein radikales, über die Landesgrenzen hinausgehendes Umdenken ist notwendig. Bei der Internationalität des Handels kann nur eine wenigstens europaweit einheitliche Linie zu einem nachhaltigen Ergebnis führen. Daran sollte der Umweltminister arbeiten und sich nicht in einem Licht sonnen, das bei näherer Betrachtung sehr schwach scheint. Und bis dahin die Forderungen einer Volksinitiative aus Brandenburg (11) zum Thema umsetzen. Schnellstens. Denn nur dann lässt sich der Gedanke des Art. 20a des Grundgesetzes tatsächlich erfüllen. (12)

 

Thomas Ganskow, Stellv. Vorsitzender Piraten Nds.