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Snowden-Dokumentation im Internet zensiert

Der folgende Beitrag ist eine Übersetzung eines Beitrags der Pirate Times. Autorin: Rachel Tackett – Übersetzung aus dem Englischen: Steve König

Im Januar wurde eine geleakte Kopie des Films „Citizenfour“ online gepostet. Citizenfour zeigt im Detail, wie Edward Snowden die NSA-Dokumente, die ein massives Überwachungsprogramm der US-amerikanischen Regierung aufdeckten, an die Öffentlichkeit brachte. Kurz nachdem der Film zum ersten Mal online auftauchte, verschwanden Kopien des Films von diversen Webseiten wieder. Kopien von Citizenfour oder Links zu dem Film wurden von VodLocker.com, UploadC.com, Torrentz.eu, Youtube und anderen Webseiten entfernt. Links auf die geblockten Kopien des Films auf Youtube zeigen, dass Weinstein, Haut et Court und Home Box Office, Inc. (HBO) Beschwerden wegen Urheberrechtsverletzungen eingereicht haben.

Einige Nutzer auf Twitter erhielten auch solche Beschwerden, da sie den Link zu einer Kopie geteilt hatten. Diese Urheberechtsbeschwerden wurden von WebSheriff eingereicht, die Beschwerde selbst allerdings listet keine Urheber auf.

Screenshot von YoutTube, am 24.01.15 von einer US IP-Adresse aufgenommen
Screenshot von YoutTube, am 24.01.15 von einer US IP-Adresse aufgenommen

Die Ironie dabei: Während die Verwerter von Citizenfour versuchen, den Film aus dem Internet zu löschen, dreht der Film selbst sich um die wohl unverfrorenste Aktion in der Geschichte der digitalen Piraterie. Schließlich hat Snowden vorher nicht um Erlaubnis gebeten, als er die NSA-Dokumente kopierte und anschließend veröffentlichte.

Anstatt den Film weitgehend online verfügbar zu machen, stand er anfangs nur in einigen wenigen Kinos auf dem Programm. Viele Menschen, die Citizenfour schauen wollten, konnten es nicht, weil Kinos, die den Film zeigten, einfach zu weit weg waren.

Lexi Alexander (@lexialex) – eine Regisseurin, die für ihre Ansichten zu Urheberrechtsthemen bekannt ist – drückte ihren Unmut über die Art und Weise aus, wie Citizenfour anfangs veröffentlicht wurde:

„Ich bin enttäuscht von den Befürwortern der Urheberrechtsreform und der Internet-Community, die schweigend die Heuchelei zur Veröffentlichung des Films hingenommen haben. Wenn man sich über gierige und egoistische Menschen aufregt, sollte man egalitär sein. Lasst diese Leute nicht einfach von der Angel, weil ihr Film oder ihre Botschaft sich um den momentanen Rockstar dieser Bewegung dreht.“

John Young von Cryptome (@Cryptomeorg) – eine Webseite, die bekannt für das Veröffentlichen von Regierungsdokumenten ist – setzt sich dafür ein, dass alle NSA-Dokumente freigegeben werden. John Young schrieb [PDF]:

„Citizenfour ist öffentliches Gut und die, die den Film kommerzialisieren, sollten als Diebe öffentlichen Eigentums betrachtet werden, das Snowden zugänglich gemacht hat. […] Jegliches Material von Snowden selbst oder von denen, die über die Ereignisse berichten, sollte frei und öffentlich zugänglich sein. Es ist wirklich traurig, dass nur ein kleiner Teil bisher veröffentlich wurde – und das nur im Kontext des grotesken Geschäfts, das mit diesem beispielhaften Dienst an der Öffentlichkeit betrieben wird. Dafür bezahlt allein Snowden einen sehr hohen Preis – seine Freiheit – während großmäulige Ausbeuter und Fans weltweite, prominente Anerkennung ernten.“

Tweet der aufgrund einer Urheberrechtsbeschwerde zensiert wurde
Tweet der aufgrund einer Urheberrechtsbeschwerde zensiert wurde

Einige Leute haben vorgeschlagen, dass Citizenfour unter einer Creative Commons Lizenz hätte veröffentlicht werden sollen. Eine dieser Lizenzen hätte es den meisten Menschen ermöglicht, den Film einfacher zu teilen und zu verteilen. Das Produzieren von Filmen kann oft eine nicht unerhebliche Menge an Geld kosten. Crowdfunding wird dabei als ein effektiver Weg angesehen, um für Projekte genug Budget aufzubringen, damit die Ergebnisse unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden können. Eine der erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen für einen Film war der Nachfolger zu Veronica Mars. Sie brachte über 5 Millionen Dollar für das Projekt auf, aber dennoch ist der Film kopiergeschützt. Zwar hat Crowdfunding zahlreiche Erfolge gefeiert, es gibt allerdings auch viele Projekte, die es nicht schaffen, ihr Fundraising-Ziel zu erreichen.

Auf die Regisseure und Verleiher von Citizenfour könnten außerdem enorme rechtliche Kosten zukommen, da gegen sie eine Klage eingereicht wurde. Diese wird wahrscheinlich im Gerichtssaal verworfen werden, jedoch sicherlich nicht bevor sich gewaltige Rechnungen über Gerichts- und Anwaltskosten angesammelt haben.

Während es zwar unwahrscheinlich ist, dass jemand für das Verbreiten von Kopien von Citizenfour angeklagt wird, ist es dennoch wichtig anzumerken, dass nach US-Recht bestimmte Arten von Urheberrechtsverletzung als Straftat mit einer Strafe von drei bis fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Unter bestimmten Umständen könnte also das Verteilen von Kopien von Citizenfour jemanden ins Gefängnis bringen. Das ist eine ziemlich riskante und harte Konsequenz für das Verteilen eines Films, der eigentlich gemeinfrei sein sollte.

Als Edward Snowden die NSA-Dokumente veröffentlicht hat, geschah dies nicht für Ruhm oder Geld. Snowdens Motivation zum Whistleblowing war der Dienst am öffentlichen Interesse. „Meine einziges Motiv ist es, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, was in ihrem Namen getan wird und was gegen sie getan wird.“, schrieb Snowden in einer Notiz an die Washington Post.

In Citizenfour kommentiert Snowden sein Whistleblowing folgendermaßen:

„[…] und hoffentlich, wenn ich einmal weg bin – was auch immer man mit mir macht – wird es jemanden anderes geben, der das gleiche macht. Es sollte das Internet wie nach Prinzip der Hydra sein. Du weißt schon, du kannst eine Person zerstören, aber dafür wird es sieben neue von uns geben.“

Dasselbe könnte man über Online-Piraterie sagen.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen unter http://flaschenpost.piratenpartei.de/2015/02/16/snowden-dokumentation-im-internet-zensiert/