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Piraten Niedersachsen begrüßen Entscheidung des Bundesrates zur Beendigung von betäubungsloser Ferkelkastration

Mit Datum vom 20.09.18 gab das Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bekannt, einen Antrag im Bundesrat für die Verlängerung der befristeten Übergangsregelung um zwei Jahre bei der Ferkelkastration ohne Betäubung einbringen zu wollen.[1] Diesem Antrag schloss sich der Bundesrat heute nicht an, sodass eine Verlängerung der Frist nicht direkt im Bundestag diskutiert wird. [2] Hierzu die Beauftragte für Landwirtschaft der Piratenpartei Niedersachsen, Annette Berndt:

„Die Entscheidung des Bundesrates, sich dem Antrag von Niedersachsen heute nicht anzuschließen, begrüße ich im Namen des Tierschutzes sehr. Es zeigt sich, dass das in der Politik so übliche Aussitzen von Problemen nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Denn ich frage mich, wozu denn ein Aufschub dieses Teils des Tierschutzgesetzes wirklich gebraucht würde. Ob Narkose, örtliche Betäubung, Impfung oder Ebermast: Möglichkeiten zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration werden seit Jahren diskutiert, die Lösungen sind da [3].

Schon 2015 preschten große Player im Einzelhandel werbewirksam vor, sie wollten bereits ab 2017 auf Fleisch von betäubungslos kastrierten Schweinen verzichten [4]. Zwischendurch, im März 2016 heißt es in der Antwort auf eine kleine Anfrage an die Bundesregierung, „der grundlegende Forschungsbedarf ist bearbeitet“ [5,6]. Also wie lange wollen die Landwirtschaftsministerien denn noch „herumeiern“? Ja, sicherlich, die Ferkelerzeuger und Mäster in Deutschland müssen sich umstellen, mehr Aufwand betreiben [7]. Jetzt aber ist höchste Zeit für das Inkrafttreten der Beschlüsse für verbesserten Tierschutz. Die Alternativen, die Ministerin Otte-Kinast morgen vorbringen will, sind auch nicht neu und hätten schon längst auf den Weg gebracht werden können [8]. Oder fehlt den Ministerien einfach das, was den Ferkeln fehlt?“

Quellen:
[1] Pressemitteilung vom 20.08.18 Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz http://www.ml.niedersachsen.de/portal/live.php?article_id=169017&_psmand=7
[2] Pressemitteilung vom 21.08.18 Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz http://www.ml.niedersachsen.de/portal/live.php?article_id=169058&_psmand=7
[3] https://www.landwirt.com/Verzicht-auf-Ferkelkastration—Stand-und-Perspektiven,,9437,,Bericht.html
[4] https://www.schweine.net/news/rewe-ebermast-frischfleisch-kastration.html
[5] http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/078/1807891.pdf
[6] https://www.schweine.net/news/alternativen-zur-kastration-weitgehend-erforscht.html
[7] https://www.agrarheute.com/tier/schwein/ferkelkastration-drei-12-548057
[8] https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/Regierungsbericht-Ferkelkastration.pdf?__blob=publicationFile, S.12.

3 Kommentare zu “Piraten Niedersachsen begrüßen Entscheidung des Bundesrates zur Beendigung von betäubungsloser Ferkelkastration

  1. Ich würde es sehr begrüßen, wenn man sich denn auch endlich zu der notwendigen Gesetzesänderung durchringen könnte, die die Isofluran-Narkose durch den Halter selbst erlaubt (nach Schweizer Vorbild). Derzeit ist die Vollnarkose dem Tierarzt vorbehalten, und die Tierärztekammern wehren sich gegen jedwede Änderung – obwohl wir für die Kastration durch den TA gar nicht genug Tierärzte in Deutschland haben! Da es keine zugelassenen Arzneimittel für die Ausnahmen vom Tierarztgebot für die Ferkelkastration gibt, gibt es auch (noch) keine Möglichkeit für den Halter, selbst zu betäuben.

    Eberimpfung ist eine gute Alternative, wird aber „dank“ jahrzehntelanger, unwahrer „Hormonfleisch“-Hetzkampagnen von Verbrauchern erstmal nicht angenommen; da braucht es einen unglaublichen Aufwand an Aufklärung. Eine entsprechende Kampagne mit Hinweisen auf die seit vielen Jahren ohne Risiken für die menschliche Gesundheit etablierte Anwendung in anderen Ländern ist dafür notwendig, kann aber nicht den Schweinehaltern aufgebürdet werden – von diesen würde sie von den Verbrauchern auch gar nicht angenommen werden!

    Die Ebermast ist jedenfalls keine Alternative, nicht beim hier üblichen Schlachtgewicht von 110 kg – die Tiere müssten dann bereits bei 85 kg geschlachtet werden. Oberhalb 85 kg werden die Eber geschlechtsreif und dann territorial und aggressiv gegen ihre Geschlechtsgenossen. Die Folge: 80% (!) der unkastriert gemästeten Eber kommen beim Schlachter mit schweren und schwersten Verletzungen an den Genitalien sowie Penetrationsverletzungen im Enddarm an. Diese Verletzungen bringen sich die Tiere über Wochen hinweg gegenseitig bei Rangkämpfen bei, und zumindest die Verletzungen an den Genitalien sind ebenso schmerzhaft wie eine Kastration. Nein, mehr Platz (wie gerne gefordert) hilft da gar nichts; Eber in dem Alter sind testosterongesteuerte Halbstarke, die sich kloppen wollen.

    • Annette Berndt

      Moin Llarian, ich stimme Dir zu, ein Blick in die Nachbarländer kann bei diesem Thema hilfreich sein, aber so etwas Selbstverständliches wollen wir doch nicht unserer Landwirtschaftsministerin unterbreiten.
      Ein Wort zur Ebermast, ganz so schwarz sehen einige Landwirte diese Alternative anscheinend nicht. Sicherlich kann man nicht einfach mästen wie bisher, sondern muss einige Änderungen vornehmen.

      https://www.agrarheute.com/tier/schwein/ebermast-sinnvolle-alternative-467032.

      Aber eine derart hohe Verletzungsrate bei schlachtreifen Ebern darf nicht sei. Gibt es Quellen, wann die 80% ermittelt wurden und ob es nach wie vor so schlimm ist?

      • Moin Annette,

        ich lese für Gesundheitsthemen bei Tieren immer gerne die Animal Health Online. Hier sind ein paar Berichte, die zu dem Thema erschienen sind:
        http://www.animal-health-online.de/gross/2012/11/21/tunnelblick-stinkefleisch-ist-nicht-das-einzige-problem-der-ebermast/22973/

        http://www.animal-health-online.de/gross/2014/06/18/ebermast-tierschutz-82-der-eber-am-penis-verletzt/27893/

        Mit der jetzigen, neuen gesetzlichen Regelung werden wohl viele der deutschen Ferkelerzeuger aufgeben müssen:
        – Tierärzte können die Kastration nicht leisten! Sie haben einfach nicht die Kapazitäten dafür, zumal sie min. 36 Stunden vorher keinerlei Kontakt mit anderen Schweinen gehabt haben dürfen, um das Einschleppen von Krankheiten in den Stall zu verhindern. Das ist besonders wichtig, da die ASP immer näher kommt.
        – Die Mäster weigern sich, unkastrierte Eber abzunehmen, weil sie sie nicht tierschutzgerecht aufziehen können. Niemand will diese Rangkämpfe im Stall haben, und das verstehe ich sehr gut. Hinzu kommt, daß Eber und Sauen strikt getrennt gehalten werden müssen; sobald die Tiere geschlechtsreif werden, agieren sie entsprechend. Und dann kommen trächtige Sauen zum Schlachter.

        Einzelne Ferkelerzeuger haben bereits angekündigt, daß sie ihre Betriebe schließen müssen. Die männlichen Ferkel der jetzt belegten Sauen können sie schon nicht mehr verkaufen.

        Die Folge: Wenn nicht schnell, innerhalb der nächsten 3 Monate, eine Lösung gefunden wird, dann werden wir in Zukunft Ferkel aus anderen Ländern importieren. Und diese Ferkel werden dann langen Transporten ausgesetzt vom Ferkelerzeuger zum Mäster.
        Damit ist dem Tierschutz ein echter Bärendienst erwiesen: Problem nicht gelöst, sondern verlagert und ein neues geschaffen.

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